Lisa Hantke - Fotografin

Nebenberuf(ung): Selbstständig

Durch euer zahlreiches Feedback auf meine Insta-Stories habe ich mitbekommen, dass es unter meinen Followern einige Leute gibt, die sich gerne neben dem Hauptberuf selbstständig machen wollen, aber nicht so recht wissen wie sie es angehen. Oft fehlt ihnen auch einfach der Mut, sie haben Angst vor dem was andere sagen, oder dass sie was falsch machen könnten usw.

Ich möchte dir von meinem Weg in die nebenberufliche Selbstständigkeit erzählen, welche Schritte ich gegangen bin und möchte dich ermutigen, dein Hobby zum Beruf zu machen.

Wie ich überhaupt zur Fotografie kam …

Zugegeben, dass ich mich als Fotografin nebenberuflich selbstständig gemacht habe ist schon einige Jahre her. Um genau zu sein war es im Mai 2011. Nicht mal ein halbes Jahr, nach dem ich überhaupt mit der Fotografie angefangen habe. Aber ich kann mich noch sehr gut daran erinnern.

Damals habe ich in der Hälfte meines Gesundheitsmanagement Studiums gesteckt und ich war sehr (!) unglücklich mit der Wahl meines Studiums.

Ich war schon immer künstlerisch interessiert und durch einen Wink des Schicksals kam ich zu meiner ersten Spiegelreflexkamera (weil meine Schwester ihren iPod gewaschen hat, aber das ist eine andere Geschichte :D). Kurze Zeit später habe ich ein paar Fotos mit einer Freundin gemacht und sie bei Facebook hochgeladen. In wenigen Minuten haben mir ca. 30 Leute geschrieben, dass sie sich auch gerne mal von mir fotografieren lassen möchten. Und umso mehr Shootings ich gemacht habe, desto mehr Interessenten kamen. Damals habe ich noch nichts verlangt, oder die Leute haben mir einfach ein Trinkgeld gegeben. Als es dann zu viele Anfragen wurden und auch solche, die für mich persönlich weniger interessant waren, habe ich mich dazu entschlossen die Fotografie als Dienstleistung anzubieten.

Der Weg zum Finanzamt

… hört sich viel schlimmer an als es ist. Grundsätzlich empfehle ich dir, einen Steuerberater um seine Unterstützung zu bitten. Denn auf dem Dokument, was du ausfüllen musst, gibt es einige Angaben die für deine nebenberufliche Tätigkeit überhaupt nicht relevant sind. Ein Gewerbe anzumelden, d.h. um eine Steuernummer zu bekommen und Rechnungen schreiben zu dürfen, musst du dich nicht zwingend gleichzeitig beim Gewerbeamt anmelden. Es kommt ganz drauf an was du machst. Künstler können sich z.B. als Freiberufler anmelden. Natürlich ist das an bestimmte Bedingungen geknüpft z.B. dass du deine Fotos unter einem künstlerischen Aspekt schießt.

  • Zur freiberuflichen Tätigkeit i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG gehört u.a. auch die selbständig ausgeübte künstlerische Tätigkeit. Nach der Rechtsprechung des BFH (vgl. H 15.6 „Künstlerische Tätigkeit” EStH) liegt eine künstlerische Tätigkeit dann vor, wenn die Arbeiten nach ihrem Gesamtbild durch eine eigenschöpferische Leistung gekennzeichnet sind, in der die individuelle Anschauungsweise und Gestaltungskraft zum Ausdruck kommt und die über eine hinreichende Beherrschung der Technik hinaus eine bestimmte künstlerische Gestaltungshöhe erreicht. Da eine künstlerische Tätigkeit in besonderem Maße persönlichkeitsbezogen ist, kann sie als solche nur anerkannt werden, wenn der Künstler auf sämtliche zur Herstellung eines Kunstwerks erforderlichen Tätigkeiten den entscheidenden gestaltenden Einfluss ausübt.

 

D.h. du musst dich tatsächlich nur einmal beim Finanzamt melden, dort wird dann überprüft ob das in Ordnung geht, du erhältst deine Steuernummer und lost geht’s. Wenn du beispielsweise Passfotos schießt, dann unterliegt das keinem künstlerischen Aspekt, in dem Fall wendest du die Fotografie als Handwerk an und die Anmeldung beim Gewerbeamt ist obligatorisch. Das Gewerbeamt meldet dich wiederum bei der Handwerkskammer.

In 2017 habe ich z.B. meinen Onlineshop auf meiner Website gelauncht und musste mich dafür beim Gewerbeamt melden, die mich wiederum der Industrie- und Handelskammer gemeldet haben. Die Anmeldegebühr beim Gewerbeamt ist von Region zu Region unterschiedlich, hält sich aber meiner Meinung nach im Rahmen. In München habe ich dafür rund 50€ bezahlt und konnte so viel anmelden wie ich wollte. Die Anmeldung selbst war super unkompliziert, eine nette Dame hat meine ganzen Daten aufgenommen, das hat maximal 10 Minuten gedauert, dann habe ich eine Rechnung bekommen die ich direkt vor Ort am Schalter bezahlt habe und schon habe ich meinen Gewerbeschein in den Händen gehalten.

Ich habe zu dem Zeitpunkt nur einen kleinen Fehler gemacht, denn ich habe mich auch als Visagistin gemeldet. Da das wiederum als Handwerk zählt, hat sich ganz schnell die Handwerkskammer gemeldet und wollte ihren Beitrag einsammeln. Da ich das allerdings gar nicht akut angestrebt habe, sondern vielleicht mal für die Zukunft in Betracht gezogen habe, habe ich den Teil des Gewerbes einfach wieder abgemeldet. Das war genauso unkompliziert wie die Anmeldung und wurde auch nicht weiter hinterfragt. Für die Abmeldung habe ich nochmal knapp 30€ da gelassen und das wars auch schon.

Kleinunternehmerregelung oder nicht?

Damit du dich als Kleinunternehmen anmelden kannst, darfst du nicht mehr als 17.500€ im Jahr aus deiner nebenberuflichen Tätigkeit verdienen. Das Gute an dieser Regelung ist, Kleinunternehmer können auf den Ausweis und die Abführung von Umsatzsteuer verzichten. Ich für meinen Teil habe kein einziges Mal schlechte Erfahrungen damit gemacht und kann das gerade für den Anfang empfehlen.

Wichtig: Überall wo du Geld verlangst (auf der Rechnung, im Onlineshop etc.) musst zu dazu schreiben, dass du nach §19 UStG. eine umsatzsteuerfreie Leistung erbringst, weil du der Kleinunternehmerregelung unterstehst.

Was ab sofort ansteht ist die jährliche Steuererklärung, die nun für dich zur Pflicht wird. Aber auch das ist halb so schlimm. Im Gegenteil, so bekommst du einen guten Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben.

Okay, soviel zu den Formalien. Wie hat mein Umfeld reagiert?

Vorab muss ich sagen, dass mein Umfeld gesehen hat wie sehr ich unter meinem Studium gelitten habe, meine Familie hat daher absolut unterstützt, mich nach meinem Bachelor umzuorientieren und in der Medienbranche Fuß zu fassen. So oder so, habe ich auch in der Medienbranche bisher nie ausschließlich fotografiert. Ich habe bei Paul Ripke in der Post-Production gearbeitet, war Fotoredakteurin bei Myself.de und BUNTE.de, später wurde ich Multimedia Editor bei BUNTE.de und heute bin ich Picture Manager bei Sky Deutschland. Klar, das hat entfernt alles irgendwie mit „Foto“ zu tun, aber meine Berufung, mein eigenes Fotografie-Business, mein Reich, wo ich arbeiten kann wie ich möchte… das war eine andere Welt und die ganze Zeit ein Teil von mir. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Menschen begeistert, wenn andere leidenschaftlich für etwas brennen, denn dann bist du voller positiver Energie und das steckt an. Wieso sollte man dich also nicht unterstützen? Vermutlich aus Neid oder Missgunst. Aber willst du deine Energie wirklich damit verschwenden dich um Menschen zu kümmern, die dir dein Glück nicht gönnen? In so ziemlich allen kreativen Bereichen erschaffst du etwas für andere Menschen, gerade in der Fotografie habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Leute davon begeistert sind und zum Teil auch davon profitieren. Wer hat nicht schöne Erinnerungen von einem besonderen Moment? Nach wie vor buchen mich nicht nur Kunden und Unternehmen als Fotografin, sondern auch Bekannte und Freunde.

Zeitmanagement, das A und O.

Wenn ich eins nicht ausstehen kann, dann wenn jemand diesen bescheuerten Spruch bringt „Als Selbstständige bist du halt selbst und das ständig“. Ganz genau, so ist das! Und jeder, der liebt was er macht, für den ist das nicht nur ein „Job“, es ist sein Lebensinhalt, ein Lebenselixier. Das heißt nicht, dass man auch mal eine Pause machen muss! Das ist elementar um kreativ zu bleiben. Ebenso ist es elementar, entspannt zu sein. Und genau deswegen ist ein kreativer Nebenjob ja so toll, denn du hast einerseits dein regelmäßiges Einkommen und kannst dazu noch mit deiner Leidenschaft etwas dazu verdienen, hast aber nicht den Druck, dass du deinen Lebensunterhalt damit verdienen musst.

Ich habe für Aufträge oft Urlaub genommen oder sie aufs Wochenende gelegt und die Retuschen nach der Arbeit gemacht. Nun hatte ich aber einige Jahre einen Job mit Schichten, bei denen ich auch am Wochenende und Feiertagen arbeiten musste. Irgendwann wurde mir das zu viel. Ich hatte kaum noch Freizeit. Ich wollte eine 4-Tage-Woche um mich einen Tag nur auf meinen Nebenjob konzentrieren zu können. Das dadurch fehlende Einkommen konnte ich ja durch die Fotografie ausgleichen.

Was sage ich meinem Arbeitgeber?

Sei einfach ganz ehrlich zu deinem Arbeitgeber! Hört sich leicht an und ist es auch. Wir tendieren dazu uns die schlimmsten Szenarien auszumalen. Aber jetzt sei mal ganz ehrlich zu dir selbst: Was kann im schlimmsten Fall passieren? Dass dein Chef ein schlechtes Bild von dir hat, weil du auch noch ein Leben neben dem Job hast? Oder dass du sogar gekündigt wirst? Das bezweifle ich. Wir leben mittlerweile in einer Zeit, wo das ganz normal ist und ein guter Arbeitgeber weiß ­- wenn du deiner Leidenschaft nicht nachgehst, bist du auch auf der Arbeit unausgeglichen und unglücklich. Das schadet nur beiden Seiten. Das Schlimmste was er also sagen kann ist „Das geht nicht.“ Dann hast du zwei Möglichkeiten, du schaust, wie du es im Arbeitsalltag durch bestimmte Optimierungsmaßnahmen möglich machen kannst oder du solltest dir überlegen ob das langfristig der richtige Arbeitgeber für dich ist, wenn er dich nicht unterstützt.  Selbst bei einem Arbeitswechsel konnte ich meine 4-Tage-Woche „mitnehmen“. Mach es nicht komplizierter als es ist. Fragen kostet nichts.

Und wenn du gar nicht mal verkürzen möchtest, sondern nur das „Ok“ von deinem Arbeitgeber brauchst, ist das normalerweise auch kein Problem. Wichtig ist hier lediglich, dass du deine Nebenjob nicht während deiner Arbeitszeit ausübst, dass du den Hauptjob nicht vernachlässigst und nicht für Konkurrenzunternehmen arbeitest. In der Regel muss man eine kleine Zusatzvereinbarung unterschreiben, dass man sich mit all diesen Dingen einverstanden erklärt. That’s it.

Los geht’s!

Abschließend möchte ich dir noch ein paar Gedanken mit auf dem Weg geben, damit du am besten direkt in die Umsetzung gehst…

Der richtige Zeitpunkt wird niemals kommen, nur DU bestimmst den Zeitpunkt. Hör auf ewig an deinem Logo rumzubasteln oder dir irgendwelche Ausreden einfallen zu lassen, warum du noch nicht bereit bist, fang einfach an und gehe einen kleinen Schritt nach dem anderen.

Habe große Visionen aber nicht zu große Erwartungen. Am Anfang rennen dir die Leute vermutlich nicht die Tür ein und wenn doch „Herzlichen Glückwunsch!“. Versuche deine Erfolge bewusst wahrzunehmen und deine Leistung anzuerkennen. Lass dich aber vor allem nicht von negativen Ereignissen runterziehen. Fehler gehören dazu, von ihnen lernst du am meisten!

Vertraue dem Leben! Wir sind hier um uns den Himmel auf Erden zu erschaffen, nicht um in der Hölle zu leben. Gestalte dein Leben so, wie es dir gefällt und das braucht manchmal seine Zeit. Also stress’ dich nicht!

Jeder hat seine eigene Realität! Jeder Mensch hat unterschiedliche Erfahrungen im Leben gemacht und selbst wenn zwei Menschen identische Erfahrungen über ihr gesamtes Leben gemacht haben (was kaum möglich ist), haben sie diese Momente unterschiedlich wahrgenommen. Bloß weil andere nicht an eine erfolgreiche Selbstständigkeit glauben heißt das nicht, dass sie recht haben.

 

Ich hoffe die hat der Beitrag gefallen und vielleicht auch geholfen! Was interessiert dich außerdem?

Ich würde mich sehr über dein Feedback in den Kommentaren, per Mail an info@lisahantke.de oder auch über meine Social Media Kanäle freuen.

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